ELSBETH MARIA TOMASI

Meistens male ich mit Öl oder auch Mischtechniken auf Leinwand, manchmal auf Holz.

Ich benutze die Farbe nicht als Werkzeug, ich arbeite mit ihr zusammen. Farben leben. Für meine Kunst ist es wesentlich, dass ich jeweils aktuell (immer wieder neu) entdecke, dass jede Farbe ihren eigenen "Willen" hat.

Diesen Farbwillen erforsche ich, indem ich künstlerisch arbeite. Dabei verbinde ich mich mit den dynamischen, emotionalen und spirituellen Dimensionen des Farbwillens – indem ich ihnen Ausdruck verleihe.

Falls das gelingt, entstehen, verdichten und wachsen die Formen und Inhalte meiner Werke – beides synchron – aus den Farben lebendig heraus.

Der beschriebene Prozess erweitert sich nun auch auf Formen und Inhalte. Auch sie haben ihre je eigenen Tendenzen, ihren Willen.

Das trifft auch auf die Werkreihen zu. Sie stellen für mich von Bild zu Bild eine Entdeckungsreise in sich weitende Räume dar, die mir wie bereits bewohnt vorkommen.

Letztlich entscheidet das Handwerk, ob ich es schaffe, diese zuerst inneren Prozesse wirklich zur Materialisation zu bringen.

Wenn ja, dann kann das entstandene Bild in der Betrachterin oder dem Betrachter, wenn er sich darauf einlässt, den gleichen Impuls erschliessen, der sich ursprünglich aus den Farbwelten gelöst und, von mir gewollt und erarbeitet, den Weg bis in den Stoff genommen hat.

Das Ergebnis ist oft ungegenständlich, erscheint aber auch in Antlitzen, Dingen oder Landschaften. Die Gemälde entstehen einzeln oder in Zyklen. Die Form des Triptychon fasziniert mich, weil in ihm Metamorphose-Gesetzmässigkeiten zur Erscheinung und zum Bewusstsein kommen können, die dem Leben in allen seinen Räumen zugrunde liegen.

Oft erst in der Endphase des künstlerischen Prozesses wird mir richtig klar, welcher Impuls zur Ausgestaltung kommt.

Der Titel formt sich erst am Schluss.


Elsbeth Maria Tomasi